Dornacher Dialekt

Es gibt im deutschen Sprachraum nirgendwo so viele Mundarten auf engstem Raum wie in der Schweiz. Diese Kleinräumigkeit hat sich seit dem Mittelalter (also in der Eidgenossenschaft) entwickelt und ist in der geographischen Lage und der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Schweiz begründet.

Nach heftigen Auseinandersetzungen mit Basel (Galgenkrieg) kam das Dorneck 1531 ganz in solothurnischen Besitz. Es lag nun wie ein Keil zwischen dem Fürstbistum Basel und der Landschaft Basel. Einflüsse auf die Sprache des Schwarzbubenlandes kamen von der Stadt Basel, die so viel leichter zu erreichen war als die Hauptstadt Solothurn, dem Elsass, das keine Konfessionsgrenze bildete, dem Laufental und dem Baselbiet.

Sprachen haben sich zu allen Zeiten verändert. Der Mundartwandel hat sich in der Schweiz aber seit dem Zweiten Weltkrieg beschleunigt. Gründe dafür sind die Entwicklung des Verkehrs, also grössere Mobilität, der Massentourismus und die Medien. Wir befinden uns in einem Prozess der Mundartangleichung. In Dornach haben heute Basel und das Baselbiet den grössten Einfluss. Dornachbrugg war früher schon mehr auf das Baselbiet ausgerichtet als Oberdornach. Man kann heute kaum noch von einer eigentlichen Ortsmundart sprechen; die Alteingesessenen bilden nicht mehr die Mehrheit im Dorf.

Ein Merkmal des Dornacher Dialekts war einmal die Entrundung (Wandel von ü zu i, ö zu e, üe zu ie, und eu zu ei), die sich seit dem 14. Jahrhundert vom Elsass her ausbreitete, später aber wieder zurückgedrängt wurde. Die entrundete Form ist praktisch nur noch im Wort «Giegi» (Kerngehäuse des Apfels) übriggeblieben, obwohl es noch Leute gibt, die «Briggli», «Gmies», «Hiener», «Bliemli» oder «Fresch» sagen. Sonst heisst es «Brüggli», «Gmües», «Hüener», «Blüemli», «Frösch», «schön», «Rösli» oder «reuchne». Der Nachbarort Arlesheim entrundet stärker. Die Zurückdrängung der Entrundung in den ehemaligen Entrundungsgebieten ist eine gesamtschweizerische Tendenz.

Ein Zusammenhang mit dem Elsass lässt sich in einigen Wörtern feststellen. In Dornach heisst es «Glais», im Elsass «Klais», dann gibt es «hoch (höch)» und «hoch», «drugge» und «trucke», «lmmeli» und «Em, Im, Eme» und «fufzg» und «fufzig».

Das «k» am Wortanfang wird als «ch» ausgesprochen, ausser bei direkten Entlehnungen aus der Hochsprache: Es heisst «Chrutt», «Chabis», «Chööl», «Chirsi» und «Chilche», aber «Kchaffi» oder «Kchirschgarte» (Flurname). Im In- und Auslaut wird das «k» in Dornach als reines «k» ohne nachfolgendes «ch» ausgesprochen, während es in Hochwald zu «kch» wird. Man sagt «drogge» (Hochwald: «drockche») «dängge», «Bangg», «Logge», «Stägge», «Schnoogge», «Agger» (aber auch «Acher» oder «Rangg»).

Für unsere Gegend charakteristisch ist der Wandel von Hochdeutsch «nd» zu «ng», den man im Bernbiet und im Kanton Solothurn trifft: «binge», «Hung», «Hang», «Ching», «angers» und «hinger» sind Beispiele dafür. Viele Leute gebrauchen heute aber schon beide Formen nebeneinander. Die Tendenz geht Richtung «nd». Band heisst meist «Band», Plunder «Blunder», Land «Lang» oder «Land» und hinter «hinger» oder «hinter». In Arlesheim gibt es das «ng» für «nd» nicht.

Das «l» im Inlaut zwischen zwei Vokalen (Selbstlauten) wird in Dornach als langes «l» gesprochen: «schelle» , «Chäller», «Rolle», «alli», «Vello» und «Däller».

Ein Merkmal, das heute noch durchgehend existiert, ist die weiche Aussprache der harten Verschlusslaute «p» und «t» am Wortanfang: «Duube». «Daal», «Betr» (Peter), «Durm», «Danne» oder «Bubbi». Mancher Schüler hat sich schon mit diesen Wörtern abgemüht.

Mittelhochdeutsches langes a wird in unserer Mundart zu langem o verdumpft. Der Flurname «Goben» (Gaben; mhd. «gâbe» ist ein Beispiel dafür).

Bei der Konjugation der Verben lassen sich Unterschiede zu Arlesheim feststellen. In Dornach heisst es «mr gäbe, müesse, gseije (asehe), säge, tüe», in Arlesheim «mr gän, mien, gseen (seen), sage, dien».

Auch im Wortschatz gibt es Unterschiede zwischen den Orten und Gegenden. In Dornach sagt man «jäte» und «Gaissl» oder «Gaissle» (Peitsche), in Arlesheim «graase» und «Rieme». In Dornach heisst es «geusse» (kreischen), in Hochwald und Seewen «gigse». Der Korb heisst in Dornach «Chorb», in Hochwald jedoch «Zaine».

Heute werden oft Wörter und Ausdrücke aus dem Hochdeutschen übernommen (meist unbewusst). Die «alten» Wörter geraten in Gefahr, ganz zu verschwinden. Solche «gefährdeten» Wörter sind «Angge», «Summervogel», «Rissbley» (Bleistift), «Chuchichänschterli» (Küchenschrank), «Baareblü» (Regenschirm), «Waagle» (Wiege). «Waase» (Rasen, mit den Wurzeln) , «Goob» (Geschenk) und «duraane, draane» (überall). Vielleicht «grubble (grobble)» kleine Kinder bald nicht mehr, heisst es nicht mehr «Chirsi bräche», weiss man nicht mehr, was ein «Nüschterli» (Rosenkranz) ist, pflückt man keine «Chettenestuude» (Löwenzahn) mehr oder schaut den «Bäramsle» zu. «Bäramsle» ist übrigens der Übername der Dornacher. Vielleicht unterscheidet man auch bald nicht mehr zwischen «zwo Fraue, zwe Manne und zwöi Ching.» Es hat jedoch keinen Sinn, Sprachwandel zu verurteilen und zu bekämpfen, denn aufhalten lässt er sich kaum. Aber es wäre gut, wenn man versuchen würde, die eigene Mundart etwas bewusster zu erleben.

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